{"id":232,"date":"2025-09-29T17:52:07","date_gmt":"2025-09-29T15:52:07","guid":{"rendered":"https:\/\/risikoverlag.de\/?p=232"},"modified":"2025-09-29T18:31:21","modified_gmt":"2025-09-29T16:31:21","slug":"fall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/risikoverlag.de\/?p=232","title":{"rendered":"Fall"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit dem Fall ist es so ein Sache, den einerseits hat er mit H\u00f6he (eine Variante der <a href=\"https:\/\/risikoverlag.de\/?p=98\" data-type=\"post\" data-id=\"98\">L\u00e4nge<\/a>) und <a href=\"https:\/\/risikoverlag.de\/?p=205\" data-type=\"post\" data-id=\"205\">Zeit<\/a> zu tun, dann w\u00e4re er mit dem Sturz verwandt, andererseits ist er die \u00dcbersetzung von (eng.) Case oder (lat.) Casus, das hat Wittgenstein so pointiert behautet: &#8222;Die Welt ist alles, was der Fall ist&#8220;. Hier setzt er den Fall mit dem Fakt gleich, der aber ja nicht festgehalten werden kann, da auch das der Fall ist, was sich nach Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten ver\u00e4ndert. Wir k\u00f6nnen die Welt also nicht aus der Beobachtung von einem bestimmten Zeitpunkt begreifen, sondern immer nur aus dem Vergleich der Beobachtung zu unterschiedlichen Zeitpunkten (eigentlich immer wieder neu unendlich immer so weiter). Popper meinte dazu ja, das wir nichts verifizieren k\u00f6nnen, sondern nur beobachten, dass es bisher (in unserem Einflussbereich und in Beobachtungszeitraum) falsifiziert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Der Fall der Erde auf die Sonne ist eine andere Sorte von Fall als der Fall des Apfels auf Newton.<br>Man kann den ersten Fall einen notwendig werdenden Zufall, den zweiten einen unangenehmen Unfall nennen, wobei hinzuzuf\u00fcgen w\u00e4re, da\u00df der Unfall zu einem genialen Einfall gef\u00fchrt hat. Und der Fall Mensch scheint wieder einer ganz anderen Sorte von F\u00e4llen zugez\u00e4hlt werden zu m\u00fcssen. Laut j\u00fcdisch christlicher Tradition ist dabei von einem S\u00fcndenfall zu sprechen, und auch Platon meint, wir seien aus dem Reich der Ideen heruntergefallene Wesen.<br>Hier dr\u00e4ngt sich der Einwand auf, es werde mit dem Wort Fall Unfug getrieben. Der Fall der Sonne und des Apfels seien buchst\u00e4bliche F\u00e4lle, aber bei Zufall, Einfall und S\u00fcndenfall gehe es um Metaphern.<br>Anders gesagt: die Mechanik sei zust\u00e4ndig f\u00fcr die Sonne und den Apfel, aber nicht f\u00fcr Einf\u00e4lle und S\u00fcnden. Das klingt plausibel, ist aber nicht so einfach. Es gibt schachspielende k\u00fcnstliche Intelligenzen, die beim Spiel bessere Einf\u00e4lle haben als der Autor dieses Artikels. Also sind Einf\u00e4lle mechanisierbar.<br>Und man kann sich Roboter vorstellen, die dank technischem Fortschritt s\u00fcndhaft werden k\u00f6nnen. Die zuerst wohl einfache S\u00fcnden wie Stehlen oder L\u00fcgen, sp\u00e4ter vielleicht sogar S\u00fcnden wider den Geist begehen k\u00f6nnen. Ob also das Wort Fall buchst\u00e4blich oder metaphorisch angewandt werde, es bleibt dennoch g\u00fcltig, da\u00df die Mechanik f\u00fcr alle F\u00e4lle kompetent ist und da\u00df der Hebel die ganze Welt aus den Fugen heben kann, wenn wir nur einen St\u00fctzpunkt f\u00fcr ihn finden.<br>Dieser Aufsatz hat sich vorgenommen, verbissen im Mechanischen zu verharren. Also wird er den Fall Mensch nicht als einen S\u00fcndenfall, sondern etwas buchst\u00e4blicher als einen Fall aus Baumkronen auf eine ostafrikanische Steppe vor etwa zwei Millionen Jahren betrachten (Vil\u00e8m Flusser).&#8220; zitiert nach H. Joachim Schlichting Uni M\u00fcnster <a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/imperia\/md\/content\/fachbereich_physik\/didaktik_physik\/die_welt_ist_alles__was_der_fall_ist.pdf\">Didaktik f\u00fcr Physik<\/a><sup> ex<\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit behauptet Flusser, dass der Sturz (z.B. auch der H\u00f6llensturz von Luzifer) den Fall hinl\u00e4nglich definiert? Schlichting nennt Flussers Text &#8222;eine ganze Kaskade von \u201eF\u00e4llen\u201c&#8220; die Flusser &#8222;wortspielerisch in Beziehung&#8220; setzt. Diese Sicht mag f\u00fcr einen Physiker angehen, ist aber f\u00fcr die Beurteilung eines Philosophen etwas d\u00fcnn (und das, wo die Physik doch fr\u00fcher als Teil der Philosophie galt. Flussers Methode ist das Schmunzeln am Schluss, wenn sich alles gut gef\u00fcgt hat, aber Wortspiel klingt zu sehr nach <a href=\"https:\/\/risikoverlag.de\/?p=174\" data-type=\"post\" data-id=\"174\">Spa\u00df<\/a> und zu wenig nach Ernst.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings erscheint mir das Zitat noch nicht alle wichtigen Bereiche des Fall abzudecken. Der Abfall vom Glauben der im S\u00fcndenfall anklingt erzeugt auch Wertloses, also Abfall. Danach ist den Paradiesbewohnern ihre Nacktheit aufgefallen &#8218;und sie sch\u00e4mten sich&#8216;. Dabei hat die Schlange nur gesagt was der Fall war, allerdings die Konsequenzen verschwiegen. Wie oben angedeutet, reicht das ja nicht aus, weil auch der Fall ist, was sich folgerichtig aus dem Zustand und seiner Manipulation (die Handgreiflichkeit Evas) ergibt. Die Schlange wurde daf\u00fcr auch schwer bestraft (sagt die Bibel, es kann aber auch anders gewesen sein, siehe &#8218;Die Wahrheit \u00fcber Eva&#8216;). <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Fall ist es so ein Sache, den einerseits hat er mit H\u00f6he (eine Variante der L\u00e4nge) und Zeit zu tun, dann w\u00e4re er mit dem Sturz verwandt, andererseits ist er die \u00dcbersetzung von (eng.) Case oder (lat.) Casus, das hat Wittgenstein so pointiert behautet: &#8222;Die Welt ist alles, was der Fall ist&#8220;. 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