„Lest mir die Stelle vor, wo ich alle enterbe.“ John Cage in Silence (übersetzt von Ernst Jandl).
Es geht um Hinterlassenschaften, es geht darum, dass man Notiz von mir nimmt, aber auch globaler: Wer wird noch sein?
„´s wird schöne Maderl´n geb´n und mir wer´n nimma le´m“ Willi Frost
Nun ja, das ist wie bei den Avenidas, alles von der Kunstfreiheit gedeckt, zeitgeschichtlich relevant oder wie es Fredl Fesl zusagen pflegte: „Alle Menschen müssen sterben, vielleicht sogar ich“ oder auch „Ohne Gaudi is ois nix“, also was wird mein Erbe sein?
Die Avenidas sind ja wieder auferstanden (sogar illuminiert), aber warum müssen die Madln immer schön sein, sind sie nicht immer schön, weil sie Madln sind? Selten ist ein Mensch durch und durch hässlich, wie sollte auch seine Existenz, als Lebewesen, per se hassenswert sein?
Es ist ja das Erbe der Menschheit in ihm, in ihr enthalten, aber wie kann das weitergehen? Und wieso scheitert das nicht-hassenswerte manchmal im laufe seiner Entwicklung und wird hassenswert? Wer bestimmt das? Hasse ich mich im Hassen eines anderen Menschen selbst? Werde ich durch das Hassen eines anderen selbst zum Hasser? Ihn verfolgen die Erinyen, rasend vor Wut und reißen mich mit. Erben heißt aber: Stillstand, die Zeiger der Uhr werden angehalten und die Entwicklung endet, wird bestenfalls Keimzelle oder Humus (Nährboden).
Heißt erben, vererben, das irgend ein Anspruch besteht, hab ich einen Anspruch auf meine Kinder? Haben sie ein Anspruch auf mein Erbe? Sie erben ja sowieso, weiß Mendel – Schneeweißchen und Erbsenrot, es ist eine Lust oder Last, also eine Freude oder das Zutragende (deutsch) oder das Andauernde (Letzte, last (englisch)) und damit eigentlich das Gegenteil vom Ersten, also dem Herr, dessen Erste seine Frau ist (sagt Wahrig). Aus dem / der Ersten wird durch das erben der / die Vorherige und aus der / dem Nachfolgenden wird die / der (neue) Erste.
Vielleicht auch ein Nachlass zu Lebzeiten, wenn man merkt das das Leben nachlässt?