Spiel

Es ist kein Kinderspiel zu beschreiben was ein Spiel ist. Huizinga hat es getan und nennt uns Menschen gleich ‚Homo ludens‘ der Menschen als spielendes Wesen.
Ich glaube allerdings, das der Mensch zuerst als Mängelwesen gedacht werden muss, allerdings nicht im Sinne von Arnold Gehlen (der mit dem Begriff die Kultur gegen die Natur stellte) und auch nicht als ‚belieferungsbedürftiges Mängelwesen‘ (wie es Ivan Illich, laut Marianne Gronemeyer, kapitalismuskritisch formuliert hat), sondern im Sinne von Flusser, der in einem Vortrag es sinngemäß so formulierte: ‚Der kleine Frühmensch hat bemerkt das ihm etwas fehlt. Das was ihm fehlte war ein Zahn, mit dem er die Beute aufreißen kann, so wie das die Schakale können. Irgendwann hat er (oder sie) den Mangel durch einen zufällig gefundenen scharfen Stein behoben. Diese Prothese führte zur Erfindung des Messers, das man herstellen konnte, aber auch mit sich führen musste.‘ Das ist also ein frühe Form von Besitz und auch von Ingenieurskunst (damit wären wir wieder bei Illich, die Prothese als behobener Mangel und Gehlen, die Ingenieurskunst als Kulturleistung). Flusser weiter: ‚Dieses Messer wurde immer feiner, zuerst schnitt es in Körper, zerteilte sie, dann in die Welt der Gedanken und am Ende wurden sogar Atome (Teilchenphysik) und Individuen (Psychoanalyse / Psychologie) zerteilt, so kann man die ganze Menschheitsgeschichte zusammenfassen‘ hier schmunzelte Flusser.

Wo bleibt das Spiel?
Huizinger argumentiert, das Spiel ist für die Erfindung der Kultur maßgeblich, man könnte sagen, weil der Mensch in den Spielsteinen einen Avatar von sich entdeckt hat und sich damit als außerhalb der Welt agierend wahrnehmen konnte (mit den Systemikern könnte man sagen, er hat sich als Beobachter zweiter Ordnung wahrgenommen).
Das mag so stimmen, aber vermutlich hat das gewahr werden, der eigenen Unzulänglichkeit dazu beigetragen, dass der Mensch zunächst die Prothese als Ergänzung und Teil von sich wahrgenommen hat. Und über die Manipulation dieser Ergänzung , gelernt hat sich als Ganzes außerhalb von sich selbst wahrzunehmen. Anders als z.B. die Affen, die ihre Werkzeuge fallweise produzieren und wieder fallen lassen, wenn die Aufgabe erledigt ist, hat die überlebensnotwendige (oder zumindest das Überleben begünstigende) Prothese, als Schneidewerkzeug, das sowohl für Nahrungsaufbereitung (Aufreißen der Haut usw.) als auch für Angriff und Verteidigung, verwendet werden kann, einen viel höheren Wert (man könnte in der Terminologie der Spielwissenschaft ‚Wiederspielwert‘ dazu sagen).
Da die experimentelle Archäologie gezeigt hat (zumindest als Denkanstoß), dass es mehrere Wochen bis Monate dauert, bis man zuverlässig Steinwerkzeuge herstellen kann, kommen noch zwei weitere Aspekte hinzu:
1. der Wert des Individuums für die Gruppe (als darwinistische Größe), ist nicht mehr nur von der Körperkraft abhängig, sondern auch vom Kwow-How und das wird durch den Spracherwerb begünstigt. Flusser: „Und es gibt in der vor-alphabetischen Tradition zwei Speicher: nämlich die Luft und harte Gegenstände.“ (Steffi Winkler ex) also gesprochene Sprache und Stein. Allerdings vernachlässigt dies die Bedeutung von ‚weichen Gegenständen‘, den mit einem Faden und mit Textilien, lassen sich Taschen machen, die das Messer transportabel machen.

2. Man kann also sagen, dass der Wert des Gegenstandes auch zu Methoden geführt hat, sich an ihn zu erinnern, sich daran zu erinnern wie er hergestellt wird und auch Gedanken an Transportmöglichkeiten zu verwenden (das ist so eine Art Mental Load, der ja heute eher weiblich konnotiert ist, und auch die Form der Tasche (vergl. Bezeichnung Scheide, für eine Messer- oder Schwerthülle), verweist auf das Weibliche (zumindest was wir heute so zuordnen)). Es kommt so also nicht nur das Teilende (das Messer als immer feineres Zerkleinerungswerkzeug), das den Tod, aber auch Nahrung bring, sondern auch das Bewahrende. Das Know-How, zur Herstellung wird im Gedächtnis gespeichert und über die Luft übertragen (Gesprochene Sprache) und macht das Individuum über seinen reinen biologischen, also generativen Aspekt hinaus wertvoll.
Aber auch die Tasche, der Tragegurt, das Futteral, die Scheide, als Mittel der Aufbewahrung und des Transports, trägt zur Bewahrung bei, in dem Fall, zur Bewahrung der harten (und oft hart erworbenen) Gegenstände.
Bleibt noch anzumerken, dass so, also in der Kombination von Holz und Faden auch die Idee entstanden ist seine Prothese (den Ersatzzahn, das Messer) mit einem größeren Wirkradius zu versehen, ihn also auf einen Stock zu montieren (Speer) oder gar das Ganze zu verschießen. Quasi als fern wirkender Reißzahn (Pfeil und Bogen).

So ein aufbewahrter Gegenstand kann aber auch ein Kultobjekt ohne praktischen Wert sein (z.B. der Avatar einer Gottheit) und so den Weg bereiten zum Spielstein oder Würfel. Und auch die Bewahrung des Kwow-How, kann sich auf Kultisches beziehen, es werden Regeln erklärt, mit denen geregelt wird, wie so eine Kulthandlung ablaufen soll, der Weg zu den Spielregeln ist nicht mehr weit.
Wenn ich dem Kultobjekt keinen praktischen Wert zugeordnet habe, so ist das nicht korrekt, denn der praktische Wert (praktisch im Sinne von kann z.B. als Waffe verwendet werden) eines Buches ist ja auch gering. So kann eine Göttinnenstatue als Merkhilfe gedient oder über den Placeboeffekt auch heilende Wirkung entfaltet haben.

Comments

Eine Antwort zu „Spiel“

  1. […] eindeutig oben. Beim Tetraeder wäre die eindeutige Seite die Unterseite (bei der Verwendung im Spiel werden deshalb manchmal die Tetraeder mit verschieden farbigen Spitzen verwendet) und bei den […]